Freistellungsauftrag ändern: erhöhen, senken oder zur anderen Bank verschieben
Einen Freistellungsauftrag ändern Sie auf demselben Weg, auf dem Sie ihn erteilt haben: im Online-Banking, in der App oder mit dem Formular Ihrer Bank. Erhöhen geht jederzeit im laufenden Jahr und wirkt ab 1. Januar. Senken geht nur bis zu dem Betrag, den die Bank in diesem Jahr schon steuerfrei gestellt hat.
Wann sich eine Änderung lohnt
- Die Zinsen sind gestiegen: Das Tagesgeld bringt mehr als gedacht, der Auftrag bei dieser Bank reicht nicht mehr.
- Neues Konto oder Depot: Bei der neuen Bank fehlt ein Auftrag – der Freibetrag muss umverteilt werden.
- Konto aufgelöst: Der Auftrag bei der alten Bank ist ungenutzt und fehlt woanders.
- Heirat, Trennung, Scheidung: Aus Einzelaufträgen wird ein gemeinsamer Auftrag oder umgekehrt (Details für Ehepaare).
- Die Summe ist zu hoch: Alle Aufträge zusammen liegen über 1.000 € bzw. 2.000 € – dann müssen Sie korrigieren.
Die drei Regeln beim Ändern
| Sie möchten … | Das geht | Wirkung |
|---|---|---|
| erhöhen | jederzeit im laufenden Jahr; fürs Vorjahr bis 31. Januar, wenn die Bank es anbietet | rückwirkend ab 1. Januar – schon einbehaltene Steuer wird erstattet |
| senken | nur bis zum Betrag, der in diesem Jahr schon genutzt wurde | der frei gewordene Rest steht anderen Banken zur Verfügung |
| widerrufen (auf 0 €) | wenn im Jahr noch nichts genutzt wurde, rückwirkend zum 1. Januar | die Bank zieht ab dann wieder Steuern ab |
Hinzu kommt die Obergrenze: Alle Aufträge bei allen Banken zusammen dürfen 1.000 € pro Person bzw. 2.000 € für zusammen veranlagte Paare nicht übersteigen. Die Banken melden die freigestellten Beträge an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 45d EStG).
Was beim Ändern rechtlich passiert
Eine Änderung ist kein zweiter Auftrag, sondern ersetzt den bisherigen: Wird ein Freistellungsauftrag im Laufe des Jahres geändert, zählt er bei dieser Bank insgesamt als ein Auftrag. Jede Änderung muss – wie die erste Erteilung – nach dem amtlichen Muster erfolgen. Online übernimmt das die Eingabemaske der Bank, die Bestätigung per PIN/TAN ersetzt die Unterschrift. Auf Papier ist neben Post und Abgabe in der Filiale steuerrechtlich auch Fax oder eine Datei per E-Mail zulässig; welche Wege Ihre Bank tatsächlich annimmt, steht in deren Hinweisen.
Senken Sie den Betrag, muss die Bank prüfen, wie viel vom bisherigen Freibetrag in diesem Jahr schon verbraucht ist. Darunter darf der neue Betrag nicht liegen.
Vorher prüfen: Wie viel ist schon genutzt?
Bevor Sie senken oder Freibetrag verschieben, brauchen Sie zwei Zahlen je Bank: den eingetragenen Betrag und den davon in diesem Jahr schon verbrauchten Teil. Viele Banken zeigen beides im Online-Banking in einer Steuer- oder Freistellungsübersicht, die Commerzbank zum Beispiel unter „Steuerinformationen“. Sonst helfen die Abrechnungen von Zinsen und Dividenden: Wurde keine Steuer abgezogen, ist der Ertrag in den Freibetrag gelaufen.
Denken Sie außerdem an den Rest des Jahres. Wann Zinsen oder Dividenden gutgeschrieben werden, hängt vom Produkt ab – manche monatlich, manche nur einmal zum Jahresende; der Termin steht in Ihren Vertragsunterlagen. Wer im Oktober bei einer Bank genau auf den genutzten Betrag senkt, hat für eine spätere Gutschrift dort nichts mehr frei.
Rechenbeispiel: Was eine Erhöhung bringt
Sie haben bei Ihrer Bank 200 € freigestellt. Bis September sind dort 500 € Zinsen angefallen. Für die 300 € über dem Freibetrag hat die Bank 79,13 € Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag abgezogen (26,375 %, ohne Kirchensteuer). Erhöhen Sie den Auftrag noch im selben Jahr auf 600 €, gilt der neue Betrag für das ganze Jahr: Die 500 € sind komplett freigestellt, die Bank erstattet die 79,13 € – meist mit der nächsten Abrechnung. Die restlichen 100 € bleiben für weitere Zinsen bis Jahresende. Bei einer anderen Bank müssen dafür 400 € frei sein, sonst liegt die Summe über 1.000 €.
Freibetrag von einer Bank zur anderen verschieben
Ein Umzug des Freibetrags läuft immer in zwei Schritten – und die Reihenfolge ist wichtig:
- Zuerst bei der alten Bank senkenSetzen Sie dort den Betrag herunter. Prüfen Sie vorher im Banking oder auf dem Kontoauszug, wie viel in diesem Jahr schon genutzt ist – darunter geht es nicht.
- Dann bei der neuen Bank erhöhenErst wenn der Betrag bei der alten Bank frei ist, erteilen oder erhöhen Sie den Auftrag bei der neuen Bank.
- Summe kontrollierenZählen Sie alle Aufträge zusammen. Der Rechner zeigt Ihnen eine sinnvolle Verteilung.
Beispiel: Sie haben 1.000 € bei der Hausbank freigestellt, dort aber in diesem Jahr erst 150 € Zinsen bekommen. Jetzt eröffnen Sie ein Tagesgeld bei einer Direktbank. Senken Sie die Hausbank auf 300 € (genug Puffer für den Rest des Jahres) und geben Sie der Direktbank 700 €.
Sonderfälle: Wann Sie ändern müssen
| Anlass | Was gilt | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Heirat oder eingetragene Lebenspartnerschaft | Schon im Jahr der Heirat ist ein gemeinsamer Auftrag möglich. Er muss mindestens so hoch sein wie das, was über die Einzelaufträge bereits freigestellt wurde. | Gemeinsamen Auftrag erteilen oder die Einzelaufträge bis Jahresende stehen lassen |
| Trennung | Im Trennungsjahr bleibt der gemeinsame Freibetrag bis 31.12. bestehen, danach sind nur noch Einzelaufträge erlaubt. | Zum Folgejahr gemeinsame Aufträge durch Einzelaufträge ersetzen |
| Tod des Ehepartners | Der gemeinsame Auftrag wirkt bis Jahresende nur noch für Erträge, die allein dem Hinterbliebenen zustehen. | Hinterbliebene dürfen den Auftrag im Todesjahr ändern; statt der Unterschrift des Verstorbenen stehen Name und Todestag. |
| Konto komplett aufgelöst | Die Bank darf davon ausgehen, dass ein unbefristeter Auftrag ab dem Folgejahr nicht mehr gelten soll – auch ohne Änderung. | Freien Betrag ab 1. Januar bei einer anderen Bank eintragen |
| NV-Bescheinigung erhalten | Sie geht dem Auftrag vor. Läuft sie ab, lebt der alte Auftrag wieder auf. | Auftrag nicht löschen, aber zum Ablauf der Bescheinigung prüfen |
| Steuer-ID falsch eingetragen | Lässt sich die richtige Nummer im selben Jahr ermitteln, bleibt der Auftrag wirksam, sonst nicht. | Richtige Steuer-ID bei der Bank nachtragen lassen |
Hintergründe für Paare stehen unter Freistellungsauftrag für Verheiratete, für Kinder und NV-Bescheinigung unter Freistellungsauftrag für Kinder.
So ändern Sie online – die Wege der Banken
Fast jede Bank versteckt den Freistellungsauftrag unter „Profil“, „Service“ oder „Steuern“. Die genauen Klickpfade stehen auf den Bankseiten:
| Bank | Wo im Banking (Stand Oktober 2026) |
|---|---|
| Targobank | App: Menü › Mein Profil › Freistellungsauftrag |
| Commerzbank | App: Service › Weitere Services › Freistellungsauftrag einrichten, ändern, löschen |
| Deutsche Bank | Online-Banking: Profil › Steuer / Freistellung › Freistellungsauftrag |
| Sparkasse | Service-Center › Suche „Freistellungsauftrag“ |
| Postbank | Services › Top-Services › Freistellungsauftrag einrichten / ändern |
| DKB | Profil › Steuerliche Angaben › Freistellungsauftrag |
| Consorsbank | Mein Konto & Depot › Steuern › Freistellung |
| Smartbroker+ | Profil › Steuerangelegenheiten › Freistellungsauftrag |
Ohne Online-Weg, also nur mit Formular: Debeka, BHW, Wüstenrot und die LBS. Die Vordrucke finden Sie unter Formulare. Alle Banken im Überblick stehen auf der Startseite.
Ändern mit Formular
Auf Papier ändern Sie, indem Sie einfach einen neuen Auftrag mit dem neuen Betrag einreichen – er ersetzt den alten. Tragen Sie dieselben Daten ein wie beim ersten Mal, vor allem die Steuer-Identifikationsnummer. Bei einem gemeinsamen Auftrag unterschreiben beide Partner. Wie die einzelnen Felder auszufüllen sind, zeigt die Ausfüllhilfe.
Fristen: bis wann die Änderung ankommen muss
Gesetzlich können Sie bis zum 31. Dezember ändern, und für das Vorjahr erlaubt das Steuerrecht noch bis 31. Januar das erstmalige Erteilen oder Erhöhen. Viele Institute setzen für Papieraufträge aber eigene, frühere Termine, damit der Auftrag vor der Zinsgutschrift verbucht ist:
| Institut | Termin laut Bank |
|---|---|
| Wüstenrot, Schwäbisch Hall, LBS | 15. Dezember |
| Deutsche Bank (Formular) | Eingang bis 15. Dezember erbeten |
| Debeka | spätestens vier Wochen vor der nächsten Zinsgutschrift |
| Sparkasse | einige Arbeitstage Puffer vor Jahresende |
Kommt eine Änderung zu spät, ist das Geld nicht verloren: Zu viel gezahlte Steuer holen Sie über die Steuererklärung zurück.
Typische Fehler beim Ändern
- Nur die neue Bank erhöht: Ohne Senkung bei der alten Bank liegt die Summe über 1.000 € bzw. 2.000 €. Die Meldungen an das Bundeszentralamt für Steuern machen das sichtbar.
- Zu knapp gesenkt: Wer bei der alten Bank exakt auf den bisher genutzten Betrag geht, zahlt dort auf jede spätere Gutschrift im selben Jahr Steuern.
- Gemeinsam und einzeln gemischt: Ein Paar hat bei einer Bank einen gemeinsamen Auftrag, bei einer anderen Einzelaufträge – und zählt beim Addieren die Beträge nicht zusammen. Alle Aufträge des Paares zählen gegen dieselben 2.000 €.
- Wechsel von gemeinsam zu einzeln online versucht: Manche Banken erlauben das nur mit Formular, die comdirect etwa nur per Post oder Fax.
- Befristung vergessen: Ein Auftrag „bis 31.12.“ läuft aus. Im neuen Jahr zieht die Bank wieder Steuern ab, bis Sie neu erteilen.
Häufige Fragen zum Ändern
Wie oft darf ich den Freistellungsauftrag ändern?
So oft Sie möchten. Es gibt keine Begrenzung – nur die Regeln zum Senken (nicht unter den genutzten Betrag) und die Obergrenze von 1.000 € bzw. 2.000 € gelten immer.
Ab wann gilt der geänderte Betrag?
Eine Erhöhung gilt für das ganze laufende Jahr. Hat die Bank vorher schon Steuern abgezogen, verrechnet sie das und erstattet den Betrag – in der Regel mit der nächsten Abrechnung.
Kann ich den Auftrag für das letzte Jahr noch ändern?
Für das Vorjahr erlaubt das Steuerrecht ein erstmaliges Erteilen oder Erhöhen bis zum 31. Januar – nicht jede Bank bietet das an (Trade Republic etwa nicht). Danach bleibt nur die Anlage KAP der Steuererklärung – mehr unter rückwirkend.
Was passiert, wenn alle Aufträge zusammen zu hoch sind?
Die Aufträge werden ans Bundeszentralamt für Steuern gemeldet, eine Überschreitung fällt auf. Senken Sie zuerst dort, wo am wenigsten genutzt ist, damit die Summe wieder passt.
Muss ich nach der Hochzeit etwas ändern?
Nein, Einzelaufträge dürfen bis Jahresende bestehen bleiben. Ein gemeinsamer Auftrag ist aber schon im Jahr der Heirat möglich und ermöglicht die Verlustverrechnung zwischen den Partnern.
Wie lösche ich einen Freistellungsauftrag?
Setzen Sie ihn auf 0 € oder widerrufen Sie ihn im Banking. Was dabei zu beachten ist, steht unter Freistellungsauftrag kündigen.