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Kapitalerträge in der Steuererklärung: Wann Sie die Anlage KAP brauchen

✓ Geprüft am 09.10.2026Rechtsstand 2026Quellen

Haben Ihre deutschen Banken die Steuer korrekt einbehalten und den Freistellungsauftrag berücksichtigt, müssen Sie Kapitalerträge in der Regel nicht in die Steuererklärung eintragen – die Abgeltungsteuer ist dann erledigt. Pflicht ist die Anlage KAP vor allem bei Erträgen ohne Steuerabzug, etwa von Auslandsbanken. Freiwillig lohnt sie sich, wenn Freibetrag ungenutzt blieb oder Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt.

Auf einen Blick

Formular
Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung
Pflicht
Bei Kapitalerträgen ohne Steuerabzug, z. B. über ausländische Banken oder Broker
Freiwillig sinnvoll
Ungenutzter Sparer-Pauschbetrag, Günstigerprüfung, Verluste bei verschiedenen Banken
Beleg
Jahressteuerbescheinigung jeder Bank
Rechtsgrundlage
§ 32d Abs. 3, 4 und 6 EStG

Freistellungsauftrag und Steuererklärung – wie hängt das zusammen?

Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (Ehepaare mit Zusammenveranlagung 2.000 €) steht Ihnen gesetzlich zu. Der Freistellungsauftrag sorgt nur dafür, dass die Bank ihn gleich beim Steuerabzug berücksichtigt. Fehlt der Auftrag oder sitzt er bei der falschen Bank, geht der Freibetrag nicht verloren: Sie holen ihn über die Anlage KAP nach. Die Steuererklärung ist also das Sicherheitsnetz für alles, was beim Freistellungsauftrag schiefgelaufen ist.

Wann die Anlage KAP Pflicht ist

  • Erträge ohne Steuerabzug: Ausländische Banken und Broker ziehen keine deutsche Abgeltungsteuer ab. Einen Freistellungsauftrag können Sie dort nicht erteilen. Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus solchen Konten gehören in die Anlage KAP. Für Investmentfonds in einem Auslandsdepot gibt es zusätzlich die Anlage KAP-INV.
  • Private Zinsen: Zinsen aus einem Darlehen an Bekannte oder Verwandte laufen über keine Bank und müssen ebenfalls erklärt werden.
  • Kirchensteuer nicht einbehalten: Hat die Bank keine Kirchensteuer abgezogen, obwohl Sie kirchensteuerpflichtig sind – etwa weil Sie der Datenweitergabe widersprochen haben –, müssen Sie die Erträge zur Festsetzung der Kirchensteuer angeben.

Die Pflicht zur Anlage KAP ist nicht dasselbe wie die Pflicht zur Steuererklärung insgesamt. Ob Sie überhaupt eine Erklärung abgeben müssen, hängt von Ihren übrigen Einkünften ab. Klären Sie das im Zweifel mit dem Finanzamt, einem Lohnsteuerhilfeverein oder einer Steuerberatung.

Wann sich die Anlage KAP freiwillig lohnt

Ungenutzter Sparer-Pauschbetrag

Der häufigste Fall: Der Freibetrag war ungünstig verteilt. Bei einer Bank blieb er ungenutzt, bei der anderen wurde Steuer abgezogen. Über die Anlage KAP rechnet das Finanzamt alles zusammen (§ 32d Abs. 4 EStG).

Bank A (Tagesgeld)Bank B (Depot)Zusammen
Freistellungsauftrag800 €200 €1.000 €
Kapitalerträge100 €600 €700 €
Steuerpflichtig bei der Bank0 €400 €400 €
Abgezogen (26,375 %, ohne Kirchensteuer)0 €105,50 €105,50 €

Die Erträge liegen insgesamt bei 700 € und damit unter 1.000 €. Mit der Anlage KAP bekommen Sie die 105,50 € vollständig zurück. Damit das im nächsten Jahr gar nicht erst passiert, verteilen Sie den Auftrag neu – der Rechner hilft dabei, und unter Freistellungsauftrag ändern steht, wie das bei der Bank geht. Für das Vorjahr lässt das Steuerrecht einen neuen oder höheren Auftrag noch bis zum 31. Januar zu; ob Ihre Bank das anbietet und selbst korrigiert, liegt bei ihr (mehr unter rückwirkend).

Günstigerprüfung bei niedrigem Einkommen

Die Abgeltungsteuer beträgt pauschal 25 %. Liegt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz darunter – häufig bei Rentnern, Studierenden oder in Jahren mit wenig Einkommen –, können Sie die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG beantragen. Das Finanzamt rechnet dann mit Ihrem persönlichen Satz und erstattet die Differenz. Ist der persönliche Satz höher, bleibt es automatisch bei den 25 %; Sie riskieren also nichts. Den Antrag stellen Sie in der Anlage KAP mit einem Kreuz.

Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 €. Wer kaum andere Einkünfte hat, kann deshalb auch Kapitalerträge oberhalb des Sparer-Pauschbetrags steuerfrei stellen lassen. Bei Kindern ist das besonders häufig – Details unter Freistellungsauftrag für Kinder. Statt der Steuererklärung kommt hier unter Umständen auch eine Nichtveranlagungsbescheinigung in Frage.

Verluste bei verschiedenen Banken

Jede Bank verrechnet Gewinne und Verluste nur bei sich. Haben Sie bei Bank A Verluste und bei Bank B Gewinne, zahlen Sie bei Bank B Steuer, obwohl Sie unterm Strich vielleicht nichts verdient haben. Lassen Sie sich von Bank A eine Verlustbescheinigung ausstellen – die Frist dafür nennt Ihnen die Bank – und tragen Sie beides in die Anlage KAP ein.

Die Jahressteuerbescheinigung

Für jede dieser Fragen brauchen Sie die Jahressteuerbescheinigung, die Ihre Bank für das abgelaufene Jahr erstellt, meist im Online-Postfach. Darauf stehen unter anderem die Höhe der Kapitalerträge, der in Anspruch genommene Sparer-Pauschbetrag, die einbehaltene Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sowie nicht verrechnete Verluste. Die Werte übertragen Sie in die passenden Zeilen der Anlage KAP. Die Bescheinigung selbst schicken Sie nur mit, wenn das Finanzamt sie anfordert – heben Sie sie aber auf.

Aus den Bescheinigungen aller Banken sehen Sie außerdem, wie viel Freibetrag Sie wo genutzt haben. Wer dabei den Überblick verloren hat, findet eine Anleitung unter Überblick verloren.

So füllen Sie die Anlage KAP aus

  1. Bescheinigungen sammelnLaden Sie die Jahressteuerbescheinigungen aller Banken herunter.
  2. Anträge ankreuzenKreuzen Sie oben an, was Sie wollen: Günstigerprüfung und/oder Überprüfung des Steuereinbehalts.
  3. Inländische Erträge eintragenKapitalerträge, genutzten Sparer-Pauschbetrag, Verluste und einbehaltene Steuern laut Bescheinigung übertragen – je Bank addiert oder pro Bank eine eigene Anlage KAP, je nach Programm.
  4. Ausländische Erträge ergänzenErträge ohne Steuerabzug gesondert eintragen, Fonds im Auslandsdepot in der Anlage KAP-INV.
  5. Bescheid prüfenVergleichen Sie im Steuerbescheid, ob die Erstattung angekommen ist.

Die Formulare finden Sie in ELSTER und in jeder gängigen Steuersoftware; dort werden die Felder oft direkt aus der Bescheinigung abgefragt.

Häufige Fragen

Muss ich Kapitalerträge angeben, obwohl ich einen Freistellungsauftrag habe?

In der Regel nein, wenn alle Erträge über deutsche Banken laufen und der Freibetrag passt. Die Steuer ist mit dem Abzug abgegolten. Pflicht wird die Anlage KAP bei Erträgen ohne Steuerabzug, etwa aus dem Ausland.

Sieht das Finanzamt meine Freistellungsaufträge?

Die Banken melden die freigestellten Beträge an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 45d EStG). Überschreiten Ihre Aufträge zusammen den Pauschbetrag, kann das auffallen.

Bekomme ich Steuer zurück, wenn ich den Freistellungsauftrag vergessen habe?

Ja, solange Ihre Kapitalerträge insgesamt unter dem Sparer-Pauschbetrag lagen: über die Anlage KAP mit dem Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts.

Lohnt sich die Günstigerprüfung für mich?

Nur wenn Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt. Da das Finanzamt automatisch die günstigere Variante nimmt, schadet der Antrag nicht. Eine individuelle Berechnung ersetzt diese Seite nicht.

Brauche ich für Krypto-Gewinne die Anlage KAP?

Nein. Private Krypto-Verkäufe sind keine Kapitalerträge, sondern private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG und gehören in die Anlage SO. Ein Freistellungsauftrag gilt dafür nicht.

Quellen