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Freistellungsauftrag: die richtige Höhe und Aufteilung auf mehrere Banken

✓ Geprüft am 09.10.2026Rechtsstand 2026Quellen

Ihr Freistellungsauftrag sollte bei jeder Bank so hoch sein wie die Erträge, die Sie dort im Jahr erwarten – plus etwas Puffer. Insgesamt dürfen alle Aufträge zusammen höchstens 1.000 € (Ledige) bzw. 2.000 € (Ehepaare mit gemeinsamem Auftrag) betragen. Bei Aktien-ETFs zählen nur 70 % der Erträge.

Die Obergrenze: 1.000 € bzw. 2.000 €

Der Freistellungsauftrag kann nie mehr freistellen, als Ihnen als Sparer-Pauschbetrag zusteht. Für Ledige sind das 1.000 € im Jahr, für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner mit gemeinsamem Auftrag 2.000 €. Diese Summe dürfen Sie frei auf beliebig viele Banken verteilen – ein Auftrag über 1.000 € bei einer einzigen Bank ist genauso zulässig wie fünf Aufträge über je 200 €.

Innerhalb einer Bank gilt der Auftrag automatisch für alle Ihre Konten und Depots dort. Sie brauchen also nicht für Tagesgeld und Depot getrennte Aufträge bei derselben Bank.

Liegt die Summe aller Aufträge über dem Pauschbetrag, fällt das auf: Jede Bank meldet die freigestellten Beträge an das Bundeszentralamt für Steuern. Zu Unrecht freigestellte Erträge müssen Sie nachversteuern.

So ermitteln Sie die passende Höhe

  1. Erträge pro Bank schätzenAm einfachsten mit der Jahressteuerbescheinigung des Vorjahres. Bei Tages- und Festgeld rechnen Sie Guthaben mal Zinssatz: 20.000 € zu 2,5 % ergeben 500 € Zinsen.
  2. Fonds-Erträge anpassenBei Aktienfonds und Aktien-ETFs sind 30 % steuerfrei, bei Mischfonds 15 %. Nur der steuerpflichtige Rest braucht Freibetrag.
  3. Puffer einplanenZinsen ändern sich, Dividenden schwanken, Verkäufe kommen ungeplant. Geben Sie der Bank mit den unsichersten Erträgen etwas mehr.
  4. Summe prüfenAlles zusammen darf 1.000 € bzw. 2.000 € nicht überschreiten. Bleibt etwas übrig, verteilen Sie es auf die Banken mit dem größten Ertragspotenzial.

Diese Schritte nimmt Ihnen der Freistellungsauftrag-Rechner ab: Erträge eintragen, Aufteilung ablesen.

ETFs und Fonds: die Teilfreistellung beachten

Für Investmentfonds gilt eine Sonderregel nach § 20 Investmentsteuergesetz. Ein Teil der Erträge ist von vornherein steuerfrei und verbraucht keinen Freibetrag.

FondsartTeilfreistellungErtrag 1.000 € – davon steuerpflichtig
Aktienfonds / Aktien-ETF30 %700 €
Mischfonds15 %850 €
sonstige Fonds (z. B. reine Renten-ETFs)0 %1.000 €

Auch thesaurierende ETFs brauchen Freibetrag: Zu Jahresbeginn zieht die Bank die Vorabpauschale ab. Sie hängt vom Basiszins ab, der für 2026 bei 3,20 % liegt. Bei einem Basiszins von 3,20 % fällt die Vorabpauschale spürbar aus – planen Sie für ein ETF-Depot deshalb auch dann Freibetrag ein, wenn der Fonds nichts ausschüttet.

Beispiele für die Aufteilung

Beispiel 1: Single mit Tagesgeld und ETF-Depot

Anna hat 25.000 € Tagesgeld zu 2,5 % bei Bank A (625 € Zinsen) und ein Aktien-ETF-Depot bei Bank B mit rund 400 € Ausschüttungen und Vorabpauschale. Steuerpflichtig sind beim ETF nur 280 € (70 % von 400 €).

BankErwartet steuerpflichtigFreistellungsauftrag
Bank A – Tagesgeld625 €680 €
Bank B – ETF-Depot280 €320 €
Summe905 €1.000 €

Die übrigen 95 € hat Anna als Puffer auf beide Banken verteilt.

Beispiel 2: Ehepaar mit drei Banken

Ein Ehepaar mit gemeinsamem Freistellungsauftrag erwartet 900 € Zinsen bei der Hausbank, 600 € beim Festgeld einer Direktbank und 500 € steuerpflichtige Erträge im Depot. Das sind genau 2.000 €. Hier gibt es keinen Puffer – steigen die Zinsen, zahlt das Paar auf den Überschuss Steuer. Das ist in Ordnung: Mehr als 2.000 € steuerfrei geht ohnehin nicht. Wichtig ist nur, dass keine Bank Freibetrag übrig hat, während eine andere Steuer abzieht. Wie der gemeinsame Auftrag funktioniert, steht unter Freistellungsauftrag für Verheiratete.

Beispiel 3: Erträge über dem Freibetrag

Erwarten Sie insgesamt 1.600 € Erträge, ist die Verteilung weniger wichtig, als viele denken. Ob Bank A oder Bank B die 1.000 € freistellt – die Steuer auf die übrigen 600 € bleibt gleich (158,25 € ohne Kirchensteuer). Teilen Sie dann einfach im Verhältnis der Erträge auf.

Freistellungsauftrag zu hoch erteilt, aber nicht ausgeschöpft

Haben Sie einer Bank mehr Freibetrag gegeben, als dort Erträge anfallen, passiert zunächst nichts – der Rest bleibt bei dieser Bank ungenutzt. Ärgerlich wird es, wenn Ihnen der Betrag bei einer anderen Bank fehlt und dort Steuer abgezogen wird. Dann haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Im laufenden Jahr umverteilen: Senken Sie den Auftrag bei der einen Bank und erhöhen Sie ihn bei der anderen. Die Bank mit dem höheren Auftrag erstattet bereits gezahlte Steuer des Jahres. So geht es Schritt für Schritt auf der Seite Freistellungsauftrag ändern.
  • Nach Jahresende: Ist das Jahr vorbei, holen Sie die zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP in der Steuererklärung zurück. Mehr unter Freistellungsauftrag rückwirkend.

Senken lässt sich ein Auftrag nur bis zu dem Betrag, den die Bank in diesem Jahr schon freigestellt hat.

Weitere Tipps zur Höhe

  • Bausparvertrag nicht vergessen: Auch Guthabenzinsen beim Bausparen sind Kapitalerträge. Selbst kleine Beträge brauchen einen Auftrag, sonst wird Steuer abgezogen. Mehr unter Bausparvertrag.
  • Auslandskonten: Banken ohne Sitz in Deutschland nehmen keinen Freistellungsauftrag an. Planen Sie dafür Freibetrag ein, den Sie in der Steuererklärung nutzen.
  • Einmal im Jahr prüfen: Ein unbefristeter Auftrag läuft weiter, auch wenn sich Zinsen oder Guthaben stark ändern. Ein kurzer Abgleich mit der Jahressteuerbescheinigung genügt.
  • Überblick verloren? Wenn Sie nicht mehr wissen, bei welchen Banken Aufträge laufen, hilft die Seite Überblick verloren.

Häufige Fragen

Wie hoch darf ein Freistellungsauftrag maximal sein?

Höchstens 1.000 € für Ledige und 2.000 € für Ehepaare mit gemeinsamem Auftrag – und zwar als Summe über alle Banken.

Kann ich den Freistellungsauftrag auf mehrere Banken aufteilen?

Ja, auf beliebig viele. Jede Bank bekommt einen eigenen Auftrag mit einem Teilbetrag. Die Summe darf den Sparer-Pauschbetrag nicht überschreiten.

Brauche ich bei einer Bank mehrere Aufträge für Konto und Depot?

Nein. Ein Auftrag gilt für alle Konten und Depots, die Sie bei dieser Bank haben.

Was passiert, wenn ich insgesamt zu viel freigestellt habe?

Die Banken melden die Beträge an das Bundeszentralamt für Steuern. Den zu viel freigestellten Teil müssen Sie nachversteuern. Korrigieren Sie die Aufträge deshalb so schnell wie möglich.

Wie viel Freibetrag braucht ein ETF-Sparplan?

Bei Aktien-ETFs 70 % der erwarteten Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Verkaufsgewinne. Eine genaue Zahl lässt sich schwer vorhersagen – planen Sie etwas Puffer ein.

Quellen